Wissenschaftliche Sammlungen

Lautarchiv

Kunstsammlung / Kustodie der Humboldt-Universität

Bestimme dich selbst!

Das Kunstwerk ist Ergebnis einer Kunstaktion aus dem Jahre 1982, als die Künstler Monden und Eugen Blume (damals wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Staatlichen Museen Berlin) in der DDR und Joseph Beuys in der BRD parallel die Aktion „Sender–Empfänger“ inszenierten. Es war der Versuch, in einer "Parallelaktion über die Grenzen hinweg" die "soziale Plastik" auch in der DDR einzuführen. Am letzten Tag der IX. Kunstausstellung in Dresden fand zwischen 12 und 13 Uhr auf den dortigen Elbwiesen das fiktive Senden von Informationen zwischen Ost und West statt. Blume, der 1981 sein Studium an der Humboldt-Universität mit einer Arbeit zum Kunstbegriff bei Beuys abschloss, beschreibt das Vorgehen so: "Ich benutzte für die Aktion bewußt die für Beuys so typischen schwarzen Tafeln, auf denen ich die 'Sendung' aus Düsseldorf notierte. Monden arbeitete mit den für seine Aktionen typischen Materialien. Als Antenne dienten uns drei Bäume, mit denen wir durch ein Seil verbunden waren." (Eugen Blume: Joseph Beuys und die DDR - der Einzelne als Politikum, in: Gabriele Mutscher/ Rüdiger Thomas (Hg.): Jenseits der Staatskultur. Traditionen autonomer Kunst in der DDR, München/ Wien 1992, S. 137-154, hier S. 148.)
Das Wandbild (Schablonenspritzmalerei auf Zeitungspapier und Fotografie) blieb Dokument dieser Aktion. Es ist sowohl doppelt datiert (durch die Angabe auf der Zeitungsseite, die als Malgrund dient, und der Aufschrift in der Mitte) als auch signiert (mittig und unten rechts). Es vermittelt eine Botschaft zur Selbstbestimmung und freien kreativen Entfaltung vor dem Hintergrund eines auch in Kulturangelegenheiten restriktiven DDR-Staates. Die Verbindung von Kunst, Mensch, Kreativität und Freiheit wird im unteren Drittel als Adaption der Überzeugungen von Joseph Beuys erklärt. Seine Werke und sein Credo "Jeder Mensch ist ein Künstler" waren auch in der BRD umstritten.
Seit 1982 war das Kunstobjekt im Raum 3071 im Hauptgebäude, im damaligen Vorlesungsraum der Kunsthistoriker, angebracht und somit bei allen Lehrveranstaltungen in diesem Raum präsent. Obwohl das Fach Kunstwissenschaft plangebundener ideologiegeleiteter Forschung unterlag, konnte die Kunstaktion von Monden, die sich mit dem erweiterten Kunstbegriff von Beuys auseinandersetzt, unbehelligt stattfinden. Somit legt das Werk auch Zeugnis ab von den Möglichkeiten einer offiziell marxistisch-leninistischen Kunstgeschichte, die es dennoch verstand, ihren Blick und ihre Methoden auch vor den aktuellen wissenschaftlichen Diskursen nicht zu verschließen.
2010 wurde es wegen Bauarbeiten im Hauptgebäude abgenommen und 2018 im Vorraum von R 2049 A wieder angebracht.

Detailangaben

Eintragstyp Bilddokumente
ID 72048
Inventar-Nr. M 188
Sachtitel Bestimme dich selbst!
Datierung 1982
Hersteller Erhard Monden
Format 97,5 x 81 cm

Verschlagwortung